Glas mit Münzen und einer kleinen Pflanze als Symbol für wachsendes Vermögen
Ab dem 1. Januar 2027 gibt es das Altersvorsorgedepot. Es ersetzt die Riester-Rente im Neugeschäft, und laut „Manager Magazin“ drängen über 70 Anbieter auf den Markt.[1] Für Sparer ist das eine gute Nachricht, denn der Wettbewerb drückt die Preise. Doch die Angebote unterscheiden sich stärker, als es auf den ersten Blick aussieht. Wer heute ein paar Zehntelprozent übersieht, verschenkt über ein Berufsleben leicht den Gegenwert eines Autos.

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot, kurz AVD, ist die neue staatlich geförderte private Altersvorsorge. Sparer können darin vor allem in ETFs und andere Fonds anlegen, ohne Kapitalgarantie. Wer nicht selbst auswählen möchte, nimmt das Standarddepot, das jeder Anbieter haben muss. Daneben gibt es Garantieprodukte, die zu Beginn der Auszahlung 80 oder 100 Prozent der Einzahlungen sichern.[2][3] Kryptowährungen sind im AVD ausgeschlossen.[1]

Die wichtigsten Regeln:

  • Grundzulage: 50 Prozent auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr und 25 Prozent auf alles darüber bis 1.800 Euro. Das ergibt höchstens 540 Euro im Jahr.[2]
  • Kinderzulage: bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr.[2]
  • Berufseinsteiger: einmalig 200 Euro, wenn der Vertrag vor dem 25. Geburtstag abgeschlossen wird.[4]
  • Beiträge: mindestens 120 Euro und höchstens 6.840 Euro im Jahr pro Vertrag. Gefördert werden nur die ersten 1.800 Euro.[2][4]
  • Wer gefördert wird: unter anderem Angestellte, Beamte und auch Selbstständige und Freiberufler. Ehe- und Lebenspartner können über den Partner mitgefördert werden, wenn sie mindestens 120 Euro im Jahr einzahlen.[4]
  • Steuern: Besteuert wird erst bei der Auszahlung, nicht in der Ansparphase.[2]
  • Auszahlung: frühestens ab 65, spätestens ab 70 Jahren, als lebenslange Rente oder als Auszahlungsplan bis mindestens 85. Zu Beginn können bis zu 30 Prozent auf einmal entnommen werden.[4][3]
  • Kostendeckel: Das Standarddepot darf höchstens 1 Prozent Effektivkosten im Jahr kosten. Für frei zusammengestellte Depots gilt dieser Deckel nicht.[5]

Ein Beispiel: Wer 150 Euro im Monat einzahlt, also 1.800 Euro im Jahr, bekommt die vollen 540 Euro Zulage. Das sind 45 Euro im Monat vom Staat dazu.

Warum Banken und Broker so um Kunden kämpfen

Laut WELT sind rund 44 Millionen Menschen in Deutschland förderberechtigt.[1] Ein AVD-Kunde bleibt oft Jahrzehnte beim selben Anbieter. Für Banken und Broker ist das ein seltener Hebel: Wer das Depot hat, kann später weitere Produkte verkaufen. Deshalb verzichten einige Anbieter zum Start ganz auf Gebühren. Das Geld wollen sie später verdienen.

Alle 15 Anbieter im Überblick

Die Tabelle zeigt die laufenden Kosten im Standarddepot, sortiert vom günstigsten dauerhaften Preis zum teuersten. Grundlage ist die Recherche der WELT vom 4. November 2026, für Scalable, flatex, Deka und Smartbroker+ abgeglichen mit Handelsblatt und Finanztip.[1][5][6] Die letzte Spalte ist unsere eigene Modellrechnung: 150 € Eigenbeitrag plus 45 € Zulage im Monat, 40 Jahre, 6 % Wertentwicklung pro Jahr vor Kosten. Sie zeigt nur, was die Kosten ausmachen, und ist keine Prognose.

Anbieter Dauerhafte Kosten pro Jahr Gratisphase und Bedingungen Modell: Depotwert nach 40 Jahren
Preis nach der Aktion bekannt
Trade Republic 0 % Erstattung der Fondskosten für ausgewählte ETFs, ohne genanntes Enddatum. rund 374.000 €*
flatex (Core) höchstens 0,07 % Fünf Jahre Erstattung, danach höchstens 0,07 %.[5] rund 367.000 €
Deka / Sparkassen 0,10 % Keine Gratisphase.[5][6] rund 364.000 €
Scalable Capital bis zu 0,15 % 2027 ohne Fondskosten, danach bis zu 0,15 %.[6] rund 360.000 €
ING (Relax) 0,20 % Keine Gratisphase. rund 355.000 €
Deutsche Bank / Postbank 0,28 % In den ersten zwei Jahren 0,10 %, danach 0,28 %. rund 348.000 €
Fidelity / FFB (direkt) rund 0,35 % plus 12 € im Jahr Über Berater 0,75 %. rund 340.000 €
Union Investment (UniVorsorge Basis) 0,55 % plus Transaktionskosten Keine Gratisphase. rund 325.000 €
Preis nach der Aktion noch offen
Bitpanda offen 2027 bis 2029 ohne Fondskosten, danach je nach Produkt. offen
comdirect offen Konditionen noch nicht veröffentlicht. offen
DKB offen Konditionen noch nicht veröffentlicht. offen
finanzen.net ZERO offen Fondskosten und Erstattung noch nicht veröffentlicht. offen
Quirion offen ETFs mit 0,07 bzw. 0,08 %, im ersten Jahr erstattet. Kosten ab Jahr 2 offen. offen
Smartbroker+ offen Drei Jahre Erstattung bis 25.000 € Anlagevolumen, danach nur mit mindestens 15 Trades im Jahr.[6] offen
Traders Place offen Erstattung bis Ende 2028, bis 20.000 € Anlagevolumen. offen

* Falls die Erstattung dauerhaft bleibt. Prozentangaben beziehen sich auf das angelegte Vermögen.

Wichtig: Die Gratisangebote sind fast alle befristet oder an Bedingungen geknüpft. Entscheidend ist der Preis nach der Aktion. Zum Vergleich: Bei 150 € im Monat und 0,2 % Fondskosten sparen drei Gratisjahre laut WELT anfangs nur gut 20 €, weil im Depot noch wenig Geld liegt.[1]

Was ein Zehntelprozent über 40 Jahre ausmacht

Kleine Prozentsätze wirken harmlos. Über Jahrzehnte wirken sie wie ein Zinseszins in die falsche Richtung. Unsere eigene Modellrechnung zeigt das: 150 Euro Eigenbeitrag plus 45 Euro Zulage im Monat, 40 Jahre lang, bei angenommenen 6 Prozent Wertentwicklung pro Jahr vor Kosten. Eingezahlt werden insgesamt 93.600 Euro.

Laufende Kosten pro Jahr Depotwert nach 40 Jahren Unterschied zu 0,2 Prozent
0 Prozent rund 374.000 Euro + 19.000 Euro
0,1 Prozent rund 364.000 Euro + 9.000 Euro
0,2 Prozent rund 355.000 Euro Vergleichswert
0,55 Prozent rund 325.000 Euro – 30.000 Euro
1,0 Prozent rund 290.000 Euro – 65.000 Euro

Das ist ein vereinfachtes Beispiel mit gleichbleibender Rendite, keine Prognose. Die WELT hat mit echten Börsendaten seit 1986 gerechnet und kommt zwischen den Anbietern auf Unterschiede von bis zu 176.000 Euro.[1] Die Richtung ist in beiden Rechnungen gleich: Der große Unterschied entsteht nicht zwischen null und einem Zehntelprozent, sondern zwischen günstig und teuer.

Altersvorsorgedepot oder betriebliche Altersvorsorge?

Viele Beschäftigte haben schon eine betriebliche Altersvorsorge (bAV). Beides schließt sich nicht aus: Es sind zwei eigenständige Verträge, jeder mit eigener Förderung.[7][8] Die Unterschiede im Überblick:

Betriebliche Altersvorsorge Altersvorsorgedepot
Wer schließt ab? Über den Arbeitgeber. Jeder selbst bei einem zertifizierten Anbieter, unabhängig vom Arbeitgeber.[7]
Förderung Beiträge aus dem Bruttolohn. 2026 steuerfrei bis 8.112 Euro und sozialabgabenfrei bis 4.056 Euro im Jahr.[9] Bei Entgeltumwandlung zahlt der Arbeitgeber grundsätzlich 15 Prozent Zuschuss, soweit er selbst Sozialabgaben spart.[7][8] Staatliche Zulagen bis 540 Euro im Jahr plus Kinderzulagen, dazu möglicherweise ein Steuervorteil.[2][7]
Für wen besonders interessant? Wenn der Arbeitgeber mehr als den Pflichtzuschuss zahlt oder gute Konditionen bietet.[7] Für alle, die unabhängig vom Arbeitgeber sparen und Kapitalmarktchancen nutzen wollen. Auch Selbstständige sind förderberechtigt.[7][4]

Für Inhaber und Geschäftsführer ist der letzte Punkt interessant: Auch Selbstständige und Freiberufler können die Förderung nutzen.[4]

Fünf Punkte, auf die Sie achten sollten

  • Preis nach der Aktion: Fragen Sie, was das Depot nach den Gratisjahren kostet. Wer breit in Welt-ETFs spart, sollte laut WELT dauerhaft bei 0,2 Prozent oder darunter landen.[1]
  • Teure Produkte am Schalter: Der Kostendeckel gilt nur für das Standarddepot.[5] Der Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein hat laut „Süddeutscher Zeitung“ ein Beispiel durchgerechnet: Bei 30 Jahren und 150 Euro im Monat fallen im Standarddepot 351 Euro Provision an, in einer Komfortvariante 2.808 Euro.[1] Empfiehlt Ihnen jemand ein Produkt für ein Prozent, lohnt die Gegenrechnung.
  • Wechselkosten: In den ersten fünf Vertragsjahren darf der alte Anbieter beim Wechsel bis zu 150 Euro verlangen, danach ist der Wechsel kostenlos. Der neue Anbieter darf höchstens 150 Euro Verwaltungspauschale berechnen.[3][4]
  • Riester nicht blind umschichten: Bestehende Riester-Verträge dürfen weiterlaufen, es gibt keine Frist.[3] Riester erlaubt die Auszahlung teils schon ab 60 oder 62 Jahren, das AVD erst ab 65. Liegt Ihr Riester-Guthaben unter den Einzahlungen, verfällt bei der Übertragung außerdem die Beitragsgarantie.[1]
  • Kein Zeitdruck: Die volle Zulage für 2027 gibt es laut WELT auch, wenn Sie das Depot erst im Laufe des Jahres eröffnen und den Jahresbeitrag auf einmal einzahlen.[1]

Was das für Arbeitgeber bedeutet

Das Thema wird in vielen Teams ankommen. Mitarbeitende werden fragen, ob sich das AVD lohnt, wie es zur betrieblichen Altersvorsorge passt und welcher Anbieter gut ist. Arbeitgeber müssen dazu keine Anlageberatung geben, und sie sollten es auch nicht. Hilfreich ist aber, wenn Führungskräfte das Thema kennen, auf seriöse Informationsquellen verweisen und klar sagen, was das Unternehmen bei der betrieblichen Altersvorsorge selbst anbietet. Das schafft Vertrauen und gehört zu guter Führung und Zusammenarbeit.

Häufige Fragen

Ab wann gibt es das Altersvorsorgedepot?

Ab dem 1. Januar 2027. Es löst die Riester-Rente im Neugeschäft ab.[2]

Wer bekommt die Zulage?

Unter anderem Angestellte, Auszubildende, Beamte sowie Selbstständige und Freiberufler. Ehe- und Lebenspartner können über den Partner mitgefördert werden, wenn sie mindestens 120 Euro im Jahr einzahlen.[4]

Kann ich meinen Riester-Vertrag übertragen?

Ja, direkt von Anbieter zu Anbieter. Bisher erhaltene Zulagen und Steuervorteile bleiben dabei erhalten. Lassen Sie sich das Geld nicht zuerst auf Ihr Konto auszahlen, das gilt in der Regel als schädliche Verwendung. Die Übertragung muss mit drei Monaten Frist zum Quartalsende beantragt werden. Wer die Förderung wechselt, wechselt sie für alle eigenen Riester-Verträge, und das lässt sich nicht rückgängig machen.[3]

Gibt es eine Garantie auf meine Einzahlungen?

Im Altersvorsorgedepot nicht, der Depotwert kann auch unter den Einzahlungen liegen. Wer Sicherheit möchte, kann ein Garantieprodukt mit 80 oder 100 Prozent Garantie wählen.[3]

Kann ich mehr als 1.800 Euro im Jahr einzahlen?

Ja, bis zu 6.840 Euro im Jahr pro Vertrag. Gefördert werden aber nur die ersten 1.800 Euro.[4]

Kann ich Altersvorsorgedepot und Betriebsrente kombinieren?

Ja. Es sind zwei eigenständige Verträge mit jeweils eigener Förderung.[7][8]

Fazit

Das Altersvorsorgedepot ist eine echte Chance für die private Vorsorge, gerade mit der Zulage, und sie steht auch Selbstständigen offen. Mehr als 70 Anbieter bedeuten viel Auswahl und viel Werbung. Lassen Sie sich von Gratis-Aktionen nicht blenden, sondern vergleichen Sie den dauerhaften Preis. Ein paar Minuten Rechnen heute können am Ende einen fünf- bis sechsstelligen Betrag ausmachen.

Wichtig: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung für einen bestimmten Anbieter oder ein bestimmtes Produkt. Er fasst öffentlich verfügbare Informationen zusammen. Für Ihre persönliche Entscheidung wenden Sie sich bitte an eine unabhängige Finanz- oder Verbraucherberatung.

Hinweis: Konditionen können sich ändern, Stand der Angaben ist Anfang November 2026. Bitte prüfen Sie die aktuellen Bedingungen direkt beim Anbieter. Die Modellrechnung ist eine eigene Berechnung von NWR Consulting.

Quellen:
[1] Holger Zschäpitz: „176.000 Euro Unterschied: so gut sind die Renten-Angebote von Trade Republic, Sparkasse & Co.“, WELT, 4. November 2026 (WELT+), mit Angaben aus „Manager Magazin“ und „Süddeutscher Zeitung“
[2] ING: Altersvorsorgedepot 2027, Förderung und Regelungen
[3] Volksbanken Raiffeisenbanken: Lohnt sich der Wechsel von Riester ins Altersvorsorgedepot?
[4] Finanzfluss: Altersvorsorgedepot, Stand September 2026
[5] Finanztip: Altersvorsorgedepot ab 2027, warum du die Kosten genau vergleichen solltest, 14. Oktober 2026
[6] Handelsblatt: Bestes Altersvorsorgedepot 2026, Stand 15. Oktober 2026
[7] ING: Das Altersvorsorgedepot im Vergleich
[8] CosmosDirekt: Altersvorsorgedepot oder betriebliche Altersvorsorge, September 2026
[9] Techniker Krankenkasse: Freibeträge betriebliche Altersversorgung

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